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Was ohne Visum passieren kann: Im Abschiebungsraum mit Kindern

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8 Wochen lang haben wir als Familie mit Kleinkind (2) und Kind (6) Abu Dhabi, Sri Lanka und die Philippinen bereist. Unser letztes Reiseziel wäre eigentlich Vietnam gewesen, wo wir einen Flug von Manila über Singapur nach Ho Chi Minh (Vietnam) hatten. In Vietnam hätten wir 7 Nächte verbracht, bevor wir wieder über Singapur nach Athen geflogen und von dort einen Weiterflug nach Wien gehabt hätten.

Doch manchmal kommt alles anders: Aufgrund eines Fehlers, wurde uns die Einreise in zwei Länder verweigert und wir sind schlussendlich sogar in einem Abschiebungsraum gelandet. Die letzten Tage unserer Reise waren absurd, angsteinflößend und anstrengend. In diesem Blogbeitrag werde ich unsere Erfahrungen teilen.

Sonntag, 27. März: Flug nach Manila & Übernachtung am Flughafen

Morgens waren wir aus unserem Hotel in El Nido ausgecheckt und sind per Transfer 5 Stunden weiter nach Puerto Princessa gefahren. Die Straßen sind ziemlich kurvig, weshalb Nunu schlecht wurde und er sich im Auto mehrmals übergab. Zum Glück ging es ihm anschließend wieder besser. Mit dem Propellerflieger ging es weiter nach Manila, wo wir für Vietnam einen Antigen-Test machen mussten.

Angekommen im Terminal 1 mussten wir irgendwie zu Terminal 3 kommen. Wir hatten gelesen, dass es einen kostenlosen Airport-Shuttle gibt. Die drei Mitarbeiter, die wir gefragt haben, meinten, dass dieser Shuttle nicht existieren würde und wir ein Taxi nehmen müssten.

Die 4. Mitarbeiterin zeigte uns schlussendlich den Schalter, wo der kostenlose Airport-Shuttle abfuhr. Damit haben wir es endlich zu Terminal 3 geschafft, wo wir alle vier für Vietnam einen Corona-Antigen-Test machten. Da es schon kurz vor 22 Uhr war, haben wir beschlossen, am Flughafen zu übernachten, da unser Weiterflug, erst um 10 Uhr morgens am nächsten Tag ging. Aufgrund von Corona waren alle Restaurants bis auf ein kleines Take-Away geschlossen, wo wir noch Reis und Hühnchen bekamen.

Da von Terminal 3 die internationalen Flüge starten, haben wir angenommen, dass auch unser Flug, mit der Airline Scoot, von dort starten würde und haben uns einen Schlafplatz gesucht. Auf einer Art Metall-Fensterbrett haben wir ein Plätzchen gefunden. Check-in war nämlich erst 4 Stunden vor Abflug möglich und Online-Checkin hat leider nicht funktioniert.

Nach einer Stunde schrak Philip auf, da er meinte eine Kakerlake war ihm unter sein T-Shirt gekrabbelt. Eine Stunde später war auch etwas unter meine Hose gekrabbelt. Es hat sich rausgestellt, dass es eine kleine Maus war.

Montag, 28. März 2022: Abflug von Manila über Singapur nach Ho Chi Minh (Vietnam)

Morgens waren wir alle gegen 7:30 Uhr munter und haben festgestellt, dass unser Flug doch von Terminal 1 gehen würde und wollten wieder den kostenlosen Terminal-Shuttle in Anspruch nehmen. Nachdem wir wieder drei verschiedene Personen gefragt hatten und die alle meinten, er würde nicht existieren, haben wir den Schalter selbst gefunden, jedoch war er diesmal wirklich geschlossen.

So mussten wir ein Taxi nehmen. Zwischen 8-10 Euro sollte es für die zehnminütige Fahrt kosten. Im Taxi wollte der Fahrer uns nochmal eine weitere Gebühr abknöpfen, wogegen wir uns jedoch gewehrt hatten.

Beim Check-In angekommen, war eine lange Menschenschlange, die ganz viel Gepäck mithatte. „Ich weiß nicht, ob wir rechtzeitig wegfliegen werden“, murmelte ich Philip nur zu. Als wir drankamen, war fast wieder eine weitere Stunde vergangen und es war nur noch 1 Stunde bis Boarding. Hinter uns war immer noch eine richtig lange Schlange.

Der übliche Touristen-Scam

Beim Check-In haben die Angestellten der Airline gemeint, wir müssten eine knapp 40 Euro teure Terminal-Fee bezahlen. Sowas hatten wir überhaupt noch nie gehört bzw. bezahlen müssen. Nach mehreren Diskussionen mit dem Mitarbeiter, meinte er, wir könnten auch mit Karte bezahlen. Keine 5-Minuten später wandte sich eine andere Mitarbeiterin bei uns „Sorry, our card-terminal is not working“…. Philip wurde schon sehr ungeduldig, da er echt schon genug von den ganzen Tourist-Scams hatte. Er meinte, er würde sicher nicht nochmal etwas bezahlen, das wir schon bezahlt haben, da bei unseren Flugtickets alle Fees inkludiert waren. Dann kam der 1. Mitarbeiter retour und meinte, er hätte mit seinem Chef gesprochen und wir müssten die Fee nicht bezahlen. Er müsse nur ein Foto von unserer Buchung machen. Abgesehen davon wurden nur unsere Apps, Tests und Health Declarations überprüft, die wir für Vietnam brauchen würden. Hatten wir natürlich alles.

Endlich durften wir in den Terminal hinein. Ein Pärchen, welches vor uns anstand und den selben Flug nahm, musste übrigens keine Terminal Fee bezahlen…

Nach der Sicherheitskontrolle waren wir endlich drinnen, ein Flughafen ohne Wlan und richtigen Restaurants. Zum Glück gab es Starbucks und einen kleinen Minimarkt, bei dem wir uns ein paar Sandwiches und Snacks für den Flug kauften. Scoot ist nämlich eine Billigairline, bei der weder Getränke noch Essen inkludiert sind.

Abflug nach Singapur

Nachdem wir geboarded hatten, mussten wir knapp 2 Stunden lang im Flugzeug auf andere Passagiere warten, da der Pilot beschlossen hatte, auf alle Passagiere zu warten. Sowas hatten wir bisher auch noch nicht erlebt. Wir wussten, dass wir nur 1h40Minuten Zeit hatten, um unseren Weiterflug von Singapur nach Ho Chi Minh zu erwischen. Die Flugbegleiter:innen meinten, dass der Pilot schon in Singapur bescheid gegeben hätte, dass wir verspätet landen würden und Passagiere nach Ho Chi Minh an Board waren. Nach einigen Diskussionen bekamen wir auch ein kostenloses Menü, da die Kinder nach über 2 Stunden zusätzlicher Wartzeit, schon sehr hungrig waren. Endlich flogen wir los und kamen natürlich zu spät an. 3h40Minuten Flugzeit später landeten wir endlich in Singapur.

Vor 10 Minuten hätte unser Weiterflug gehen sollen und wir wurden von Mitarbeiter:innen der Airline empfangen, die meinten, dass wir ganz schnell laufen müssten, da das Flugzeug auf uns wartet. So sind wir so schnell gelaufen, wie wir konnten und haben es tatsächlich noch ins Flugzeug geschafft. Wir waren verschwitzt und außer Puste, jedoch glücklich, dass wir den Flug erwischt hatten. 2h10mins später waren wir endlich in Ho Chi Minh gelandet.

Flughafen Ho Chi Minh

Dann folgte das normale Prozedere, das wir sonst auch in den Flughäfen in Asien auf dieser Reise erlebt hatten:

Zuerst kamen wir zu einem Schalter, wo wir unsere Apps und Health Declarations vorzeigen mussten. Zuerst meinte die Dame am Schalter, dass etwas nicht passen würde. Als wir es jedoch ihren Kollegen gezeigt hatten, meinte er, es würde passen. So kamen wir zur nächsten „Station“ der Passkontrolle bzw. Migration.

Das fehlende Visum

Die Beamtin nahm unsere Reisepässe und fragte uns nach unserem Visum. Worauf wir meinten, dass wir das Visum on arrival kaufen möchten. Und das war der Punkt, an dem der ganze Trubel begann.

Für Österreicher:innen gibt es derzeit in Vietnam nämlich kein Visum on arrival, man benötigt ein E-Visum. Deutsche können sogar zwei Wochen visafrei einreisen. Österreicher jedoch nicht. Wie konnten wir das nur überlesen? Dann kamen wir zu einem Schalter, wo man ein Visum für 25 USD pro Monat kaufen konnte. Ein anderer Beamte hatte währenddessen unsere Pässe mitgenommen. Wir meinten mehrmals, dass wir jetzt ein Visum kaufen möchten. Jedoch wurde uns dies verwehrt. Der Beamte fragte mehrmals, wieso uns die Airline boarden ließ. DIE AIRLINE IST VERANTWORTLICH, DIE PASSAGIERE VOR BOARDING ZU KONTROLLIEREN, OB SIE ALLE EINREISEBESTIMMUNGEN ERFÜLLEN.

Sie hätten uns also NIE boarden lassen dürfen.

Und nun? Was würde jetzt mit uns passieren?

Der Beamte meinte, dass die Airline uns zum letzten Flughafen, also nach Singapur, auf ihre Kosten, zurückfliegen muss. Als zwei Angestellte von Scoot kamen, meinten sie, dass der nächste Flug erst am nächsten Tag gegen 17:30 gehen würde. (Es war übrigens mittlerweile schon 20 Uhr und wir waren alle hungrig.) Bis dahin müssten wir in einen Abschieberaum. Ein überwachter Raum ohne Strom, Essen, Wasser oder Toiletten… So wurde es uns mehrmals gesagt.

Dies machte uns natürlich etwas Angst. Mit unseren Kindern? Die schon jetzt hungrig waren? Wie unmenschlich ist das bitte.

Botschaft als letzte Hoffnung

Wir sahen uns an und fragten, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gäbe, doch einreisen zu können. Währenddessen versuchte Philip die österreichische Botschaft in Hanoi zu erreichen. Leider hob keiner ab, weshalb wir das Außenministerium in Wien anriefen. Dort hob endlich jemand ab, der meinte, dass er sofort jemanden versuchen würde bei der Botschaft zu erreichen. Endlich erreichten wir jemanden, erzählten unsere Geschichte und leiteten die Botschafterin von Österreich in Hanoi an den Grenzpolizisten weiter.

Die Botschafterin meinte, dass ein Mann von einer Agentur kommen würde und uns ein Angebot für ein Express- Visum geben würde. Nach circa 30-Minuten taucht er auf und meinte, dass wir für das Visum 175 USD pro Person zahlen müssten und dies für 14 Tage gültig wäre. Das wären über 600 Euro für gerade mal sieben Tage, die wir in Vietnam verbringen würden.

Wir sprachen uns auf Deutsch ab und meinten, ob es nicht möglich wäre, für die Kinder weniger zu bezahlen, da wir uns nicht sicher sind, ob wir so viel Geld auf einmal bar abheben könnten. Dies schien den Typen zu verärgern und der Polizist meinte, dass wir unsere Chance vergeigt hätten. Der Typ von der Agentur lief aus dem Flughafen raus und der Polizist meinte, dass er den Abschiebungsbescheid ausstellen würde.

Wir riefen sofort nochmal die Botschaft an und meinten, dass wir den Flug natürlich nehmen würden, aber nur nicht in diesen Raum wollen/können, dass dies traumatisierend für unsere Kinder wäre und ob wir nicht einfach im Transit warten könnten.

Die Botschafterin sprach nochmal mit dem Beamten und dieser bewilligte den Vorschlag. Gott sei Dank. Nach einer weiteren Stunde warten, kamen zwei Angestellte von Scoot und ein Polizist. Sie händigten uns unsere Boardingpässe und Reisepässe aus. Eine Gepäckskontrolle später waren wir endlich im Transitbereich.

Verschnaufpause im Transitbereich

Während dem ganzen Prozedere haben sich Schmusa und Nunu selber beschäftigt. Sie meinten zwar, dass sie schon Hunger hätten, spielten aber die ganze Zeit Schatzsuche mit irgendwelchen SIM-Karten, die sie am Flughafen gefunden hatten.

Angekommen waren wir im Geister-Transit. Im 1. Stock befanden sich einige Restaurants und Lokale, die alle, seit 2 Jahren geschlossen waren. Alle. Kein einziges war geöffnet. Es erinnerte an eine menschenleere Geisterstadt. Jedoch fanden wir heraus, dass eine Lounge offen hatte, und wir sogar mit unserer Kreditkarte, für eine Person kostenlosen Eintritt hatten. So bezahlten wir 25 Euro und konnten die Lounge für etwas mehr als 3 Stunden nutzen. Hier gab es sogar Duschen mit Handtüchern und richtig gutes vietnamesisches Essen.

Warten in der Lounge in Lounge in Ho Chi Minh
Warten in der Lounge in Lounge in Ho Chi Minh

Wir aßen, duschten, spielten noch Spiele. Philip verließ dann kurz die Lounge, um uns einen Schlafplatz zu suchen. Schmusa schlief währenddessen im Buggy ein (unserer Reisebuggy von Ergobaby war auch auf dieser Reise gold wert, da er so oft als mobiler Schlafplatz fungiert hat). Gegen 1 Uhr morgens verließen wir die Lounge und gingen in eines der Cafés, die seit zwei Jahren geschlossen hatten. Dort hatte Philip gepolsterte Sitzbänke gefunden, auf denen wir dann schliefen. Der Bereich war einfach verlassen. Nicht mal Polizist:innen kamen zur Kontrolle. Wir waren auf der Stelle eingeschlafen und schliefen richtig gut, da wir echt schon erschöpft waren.

Dienstag, 29. März 2022: Weiterreise nach Singapur

Gegen 9 Uhr morgens wachten wir auf. Es hat nur kurz gedauert, bis mir wieder in den Sinn kam, was gestern eigentlich alles passiert war. Aber mit genügend Schlaf und nach einer frischen Dusche schaut man der Situation wieder positiv entgegen und macht das Beste daraus.

„Ich bin sooo hungrig“ meinte Schmusa, weshalb wir uns zusammenpackten und mal den unteren Bereich des Terminals auskundschafteten. Wir fanden tatsächlich zwei Lokale, die geöffnet hatten, jedoch mit gesalzenen Preisen, weshalb wir nochmal den Lounge-Eintritt bezahlten und knapp zwei weitere Stunden kostenlosen Loungebesuch rausschlagen konnten. Die Mitarbeiter kannten uns ja bereits und wir erzählen auch ihnen die Geschichte und sie hatten wahrscheinlich Mitleid.

Plan B: Singapur

Wir beschlossen die letzten 6 Tage einfach in Singapur zu verbringen. Bevor wir auf die Philippinen reisten, mussten wir schon mal kurz nach Singapur einreisen und kannten daher das ganze Prozedere und die Einreisebedingungen. Wir mussten einen VTL-Antrag stellen und eine Migration-Card ausfüllen. Das bittere war, dass auch dies mit 1. April aufgehoben werden würde und man den Antrag drei Tage vor Einreise stellen musste, sodass es das Formular online nicht mehr auszufüllen gab. Daher telefonierten wir mit den Behörden in Singapur herum, erzählten unsere Geschichte und uns wurde ein Express-VTL ausgestellt.

Der zweite Punkt war, mit Scoot zu kommunizieren, da unser Rückflug von Hanoi über Singapur nach Athen gehen würde und wir von Athen nach Wien mit Ryan Air fliegen würden. Wir erreichten zum Glück jemanden im Live-Chat von Scoot, die managte, dass wir unseren Flug nicht verlieren würden, wenn wir am Dienstag gleich von Singapur nach Athen fliegen würden. Sie strichen einfach den Hanoi-Flug. Normalerweise wäre das nämlich ein „no show“ und es würden alle weiteren Flüge verfallen, wenn man den ersten Flug nicht Antritt.

Erleichtert, nachdem wir über zwei Stunden wir nur Formulare ausgefüllt und herumtelefoniert hatten, genossen wir die restliche Zeit unseres Loungebesuchs und spielten mit den Kids. Nunu hatte drei Tage davor mit Harry Potter Band 2 begonnen und war schon über der Hälfte des Buches. Die Kinder waren einfach super easy und gelassen drauf. Zum Glück.

Rückflug nach Singapur

Gegen 13:30 mussten wir die Flughafenlounge verlassen und machten uns auf den Weg Richtung Gate. Schmusa war inzwischen eingeschlafen und wir vertrieben uns die Wartezeit mit spielen und Hotel suchen, bis wir endlich boarden durften. Beim Boarding wurden uns unsere Reisepässe abgenommen. Die Flugbegleiterin meinte, dass wir diese erst wieder in Singapur bekommen würden, da uns ein Polizist abholen würde und zur Migration in Singapur begleiten muss. Wir sollten als letzte aussteigen und saßen auch in der letzten Reihe des Flugzeugs.

1h40Minuten später waren wir endlich in Singapur gelandet und freuten uns schon auf unsere letzten Tage in dem coolen Land, welches wir schon mehrmals mit Nunu bereist hatten. Das Hotel hatten wir noch nicht gebucht, jedoch hatten wir schon ein tolles Angebot gefunden, das wir gleich nach Einreise buchen wollten. Wir freuten uns auf die Universal Studios, leckeres Essen, eine Nightsafari, die tollen Spielplätze, Santosa und das Meer.

Wir warteten und warteten auf den Polizisten, der uns vom Flugzeug abholen sollte. Die Flughafencrew musste mit uns warten. Auch einen deutschen Piloten haben wir dabei kennengelernt, der von unserer Geschichte schockiert war und meinte, dass er es schade fände, dass wir uns nicht früher kennengelernt haben, da er uns hätte helfen können. Mir tat die Crew leid, das sie keine Überstunden bezahlt bekommen würde. Sie waren supernett und versorgten uns mit Wasser. Während der Wartezeit durften Nunu und Schmusa kurz ins Cockpit reinschauen.

Polizeiliche Eskortierung & Supergau

Nach knapp einer Stunde kam endlich der Polizist. Die Crew übergab ihm unsere Reisepässe und wir wurden vom Polizisten bis zur Migration begleitet. Vor den Schaltern gab es noch einen größeren Schalter, wo ein paar Leute saßen und warteten. Hier mussten wir uns ebenfalls dazusetzen und warten. Der Polizist übergab einem anderen Mann unsere Pässe, während wir warteten.

Wir erzählten unsere Geschichte sicher viermal, zeigten unsere VTL, meinten, dass wir schon alles mit den Behörden geklärt hätten, aber mussten trotzdem ewig warten. Gegen Mitternacht würden auch unsere Testergebnisse ablaufen und wir wollten wissen, wie lang es noch dauern würde, bis wir endlich einreisen dürfen… Kurz vor Mitternacht kam noch ein anderer Mann dazu und meinte auf einmal:

IHR DÜRFT NICHT NACH SINGAPUR EINREISEN. Ihr müsst zurück nach Manila. Singapur verbietet euch die Einreise.

Wir waren kurz sprachlos und fragten, warum? Sie meinten, weil die Airline den Fehler in Manila gemacht hätte und wir nicht einreisen dürfen. Sofort versuchten wir die Botschaft in Singapur zu erreichen. Nachdem wieder keiner abhob, kontaktierten wir wieder das Außenministerium. Die kannten uns schon. „Seid ihr die Familie, die aus Vietnam abgeschoben wurde?“

Das Außenministerium kontaktiere die Botschaft. Nicht mal der Botschafter verstand, wieso uns Singapur die Einreise verwehrte. Wir hatten doch alles. „So eine absurde Geschichte, ist mir in meiner ganzen Karriere nicht wiederfahren“ sagte uns sogar der Botschafter.

Der Typ von Scoot meint jedoch, dass er unseren Heimflug umbuchen könnte, sodass wir nur 25 Stunden in einem Abschiebungsraum verbringen müssten.

Wir konnten es überhaupt nicht fassen. Wieso durften wir jetzt nicht in Singapur einreisen? Das macht doch alles keinen Sinn. Die Grenzbeamtin war jedoch beinhart und meinte, wir müssen in den Abschiebungsraum. Sie würden uns nicht, wie in Vietnam in den Transit lassen, da sie uns unsere Reisepässe erst eine Stunde vor Abflug aushändigen. Außerdem mussten wir einen Zettel unterschreiben, dass wir in Singapur nicht einreisen dürfen. Falls wir je wieder nach Singapur einreisen möchten, brauchen wir einen sogenannten „Approval Letter“.

Der Botschafter versprach uns, sich morgen verlässlich zu melden, um uns weiterzuhelfen. Der Typ von Scoot meinte, dass wir im Abschiebungsraum Essen bekommen würden und es Toiletten gäbe, jedoch ein Polizist sich im Raum aufhalten müsse. Der Raum sei groß genug und verfüge sogar über ein Bett. Irgendwie schien er vertrauenswürdig und so wurden wir von einem Polizisten zu der sogenannten „IP Lounge“ begleitet.

Der Abschiebungsraum

Die „IP Lounge“ aka das „Abschiebungsareal“ befand sich versteckt zwischen ein paar Gates. Es gingen ein paar Stiegen hinauf zu einem großen Raum, wo sich mehrere andere Menschen und Polizist:innen befanden. Wir wurden aufgefordert alle unsere Wertsachen, wie Geld und Handys abzugeben und wurden gefilzt. Unser ganzes Gepäck wurde durchsucht. Unser Koffer und Buggy wurden in einen Raum gesperrt.

Handy, Laptops und Geld in ein Schließfach. Für das Schließfach gab es zwei Schlüssel: einen bekamen wir und den anderen die Polizistinnen. Um das Schließfach öffnen zu können, brauchte man beide Schlüssel. Handy bzw. Laptop durften wir nur heraus holen, um die Airline bzw. die Botschaft zu kontaktieren.

Danach wurden wir in unser Zimmer gebracht. Es war ein sehr kleiner, schalldichter Raum, beleuchtet mit Blaulicht, drei auf uns gerichtete Kameras und zwei Luftmatratzen am Boden. Eine Polizistin brachte uns frische Bettwäsche und meinte, dass die Tür keinesfalls zufallen darf, da sie uns nicht hören würden. Außerdem wäre es sowieso verboten den Raum zu schließen, da sie regelmäßig reinschauen müssen. Es war nur ein Türstopper in der Tür.

Danach durften wir uns noch Cup-Nudeln zum Abendessen machen. Die Kinder waren noch bei der Migration eingeschlafen, da es schon kurz vor Mitternacht war. Schmusa in ihrem Buggy und Nunu auf der Bank. Wir hatten sie gleich ins Bett getragen. Es gab eigene Essbereiche für Frauen und Männer, sowie Toiletten und Duschen für Frauen und Männer getrennt. Das ganze hatte Hostelcharakter, was es für uns, außer den Beschränkungen, zu einer gewohnten Umgebung machte, da wir auch mit den Kindern oft in Hostels übernachteten.

Nach dem Zähneputzen schliefen wir sofort ein. Die Airline würde sich erst am nächsten Tag wegen der Tickets bei uns melden. Es war ein langer Tag.

Mittwoch, 30.März 2022: Unser Tag im Abschiebungsraum

Morgens wurde uns wieder klar, was passiert war und wo wir eigentlich sind, als wir vom blauen Licht in unserem „Zimmer“ geweckt wurden. Am Vortag haben die Polizeitbeamt:innen für uns Essen bestellt. Wir hatten die Wahl zwischen einen vegetarischen Menü, asiatisch oder einem Western Menü. Für die Kinder gab es sogar ein eigenes Kindermenü. Auch Trinkwasser bekamen wir genügend. Zum Glück wurde das Versprechen bzgl. der Verpflegung gehalten. Bei unserer gestrigen Ankunft mussten wir übrigens auch die „Hausregeln“ unterschreiben. Für den Aufenthalt im Abschieberaum müssen wir übrigens nicht selbst aufkommen, sondern die Airline, da das ihr Fehler war.

Nunu klagte morgens über starke Ohrenschmerzen am linken Ohr, was uns ein bisschen Sorgen bereitete. Der Polizist meinte, wir sollten etwas abwarten und wir bekamen etwas Wick Vaporub, was wir ihm hinter das Ohr schmierten. Der Arztbesuch hätte 300 Singapore-Dollars gekostet und es hätte gedauert, bis er gekommen wäre. Zum Glück gingen die Schmerzen nach circa einer Stunde wieder weg.

Für die Mahlzeiten haben wir einen Tisch zugewiesen bekommen, auf dem wir nicht nur gegessen, sondern auch Spiele gespielt haben. Im Aufenthaltsraum gab es einen Fernseher, wo verschiedene Filme gespielt wurden. Die Kinder durften sich sogar einmal einen Kinderfilm aussuchen.

Währenddessen haben wir mit der Airline kommuniziert und unsere Rückflüge für 31. März, um 0:30 nach Athen bestätigt bekommen. Für den Weiterflug nach Wien mussten wir selbst aufkommen und haben für 1. April einen neuen Flug gefunden, der für uns zu viert 180 Euro gekostet hat. Da wir um 7Uhr Morgens ankommen sollten, hatten wir dadurch mehr als einen Tag in Athen.

Die Zeit verging recht schnell. Zwischendurch machte Schmusa einen Mittagsschlaf und ich legte mich dazu. Da wurde mir erst wieder bewusst, wie energieraubend die ganze Situation war. Nunu las weiter sein Harry Potter- Buch und spielte mit Philip.

Die meisten der Polizist:innen waren sehr nett zu uns. Zu den Kindern waren alle lieb und gar niemand ungut. Das Essen war auch gut und wir wurden angemessen versorgt.

Beschäftigung und Zeitvertreib im Abschieberaum

Vor allem viele Chines:innen waren mit uns im IP-Room, die jedoch nicht so gut behandelt wurden. Die Polizist:innen redeten oft sehr herablassend mit ihnen. Zu uns waren wirklich alle super nett. Vor allem die chinesischen Frauen haben mit Nunu und Schmusa gespielt und Schmusa unterschiedlichste Frisuren gemacht. Sie haben die Kinder auch mit Süßigkeiten überhäuft. Manche der Personen waren schon seit über einem Monat in dem Raum eingesperrt. Andere noch länger, da sie sich den Weiterflug nicht leisten konnten.

Nach meinen Mittagsschläfchen wurden zwei neue Personen in den Raum gebracht. Ein junges österreichisches Pärchen aus Kärnten. Sie wollten 10 Tage Luxus-Urlaub auf Bali machen. Während sie im Flugzeug waren, haben sich aufgrund der hohen Coronazahlen, die Einreisebestimmungen für Österreicher:innen nach Bali geändert, so dass Österreicher:innen nicht mehr einreisen durften. Deshalb wurden sie von Denpasar zurück nach Singapur abgeschoben und würden auch von Singapur einen Flug nach München nehmen müssen. Ziemlich verrückte Geschichte. Das waren übrigens die einzigen Österreicherinnen (bis auf eine auf Sri Lanka), die wir auf der ganzen Reise getroffen haben.

Zwischendurch wurden Philip und Nunu von einem Polizisten abgeholt um einen PCR-Test zu machen, da Kinder ab 5 Jahren für Griechenland einen brauchten. Der Test wurde auch von der Airline bezahlt.

Zum Abendessen gab es für die Kinder Pasta Bolognese, welche mit ziemlich viel Käse überbacken war. Nach einer Stunde klagte Schmusa über Bauchschmerzen und nur kurze Zeit später, übergab sie sich am Boden. Da sie zwei Wochen davor aufgrund einer Typhus-Erkrankung einen Tag auf den Philippinen im Krankenhaus verbracht hat, war ihr Magen sehr empfindlich. Später übergab sie sich noch ein zweites Mal. Richtig arm.

Mit der Botschaft hatten wir ausgemacht, dass wir etwas früher den Raum verlassen durften, um noch Snacks für den Abflug besorgen zu können. Gegen 23 Uhr wurden wir im IP-Room von einem Polizisten abgeholt. Mit ihm gingen wir zurück zur Migration, wo wir nochmal einen Zettel unterschreiben mussten, dass wir nicht nach Singapur einreisen dürfen. Dem Polizisten wurden die Pässe ausgehändigt und wir gingen mit ihm und einem Mitarbeiter der Airline zum Gate. Um Snacks zu kaufen blieb keine Zeit, jedoch hatte uns jemand in den IP- Room zumindest zwei Bananen gebracht. Da es sowieso ein Nachtflug war, beschlossen wir einfach in der Früh ein Menü dazuzubestellen, da es sich um einen 11- stündigen Nachtflug handeln würde.

Donnerstag, 31.März 2022: Flug nach Athen

Schmusa war währenddessen im Buggy eingeschlafen. Es war nach Mitternacht, als wir endlich bei der Security Control vom Polizisten unsere Reise- und Boardingpässe bekamen. Schmusa wachte auf, um sich nochmals zu übergeben. Mit etwas Verspätung, um etwa 1 Uhr, flogen wir ab. Das Flugzeug war halb leer und wir hatten sogar zwei Reihen für uns. 8,5 Stunden des Fluges verschliefen wir und kamen um 7:30 morgens in Athen an. Wir waren endlich wieder frei.

Die Passkontrolle in Athen dauerte keine zwei Minuten und wir machten uns einen wunderschönen Sightseeing-Tag in Athen, bevor wir am 1. April heimflogen.

Fazit

In erster Linie war das Ganze natürlich meine Schuld, da ich aufgrund der ganzen Corona-Bestimmungen das mit dem E-Visum überlesen hatte. Wir hatten auch andere Reisende, jedoch aus Deutschland getroffen, die dieses kostenlose zwei Wochen Visum in Anspruch nahmen. Die Einreisebestimmungen ändern sich derzeit wirklich täglich, weshalb es so wichtig ist, sich täglich zu informieren. Und das auf verschiedenen Websites. Für die Philippinen waren die Bestimmungen auf der Seite des österreichischen Außenministeriums nicht immer am neuesten Stand, bzw. fehlerhaft, weshalb wir oft auf der Seite des deutschen auswärtigen Amts nachgelesen hatten, bzw. in Facebook-Gruppen.

Den größten Fehler hat jedoch die Airline begannen, weil sie uns nicht hätten mitfliegen lassen dürfen. Hätten sie uns nach dem Visa gefragt, hätten wir nicht boarden dürfen und einfach unseren Flug (hatten wir bei unserem Tarif dabei) umgebucht. Wir wären einfach zwei Nächte in Manila geblieben, hätten das Visum beantragt und wären dann nach Ho Chi Minh geflogen.

Aber das „was wäre, wenn“ Spielchen kann man natürlich endlos weiterführen. Fakt ist, überprüft die Einreisebestimmungen immer doppelt und dreifach, vor allem in Coronazeiten. Auch das Ablaufdatum eures Passes ist ein wichtiges Detail, welches ihr niemals außer Acht lassen solltet. Für die Einreise in viele Länder, muss der Pass nach Einreise noch 6 Monate gültig sein.

Glücklicherweise ist alles nochmal gut ausgegangen und das Wichtigste ist, dass es unseren Kindern gut geht. Wir sind sehr stolz auf sie. Von Sonntag bis Donnerstag waren wir nur in Flugzeugen, Flughäfen oder im Abschiebungsraum unterwegs. Fast fünf Tage lang. So haben wir uns das Ende unserer 8,5 wöchigen Reise nicht vorgestellt. Übrigens wären wir sowieso am Montag (3 Tage später), wieder heimgeflogen, weshalb uns nur drei Reisetage entgangen sind.

6 Gedanken zu „Was ohne Visum passieren kann: Im Abschiebungsraum mit Kindern“

  1. Oh Mann! Was für eine verrückte und doofe Geschichte. Gott sei Dank nehmen eure Kids das so gelassen, ich wette Nunu erzählt das dann auch noch als Abenteuet 🙂 Gut dass ihr wieder daheim seid 🙂

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  2. Wow ihr Armen! Der Albtraum aller Reisenden! Zum Glück haben die Kinder (und natürlich auch ihr 2) das so gut überstanden!

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  3. wow, die Geschichte finde ich mehr als krass. Ich kann mir nicht ausmalen wie das eure Kinder aufgenommen habe. Klingt so als ob sie immer so ruhig geblieben wären, ich könnte das nicht mit meinem Fünfjährigen, der ist sowas von ungeduldig…
    Und dann auch noch Thypus bei der Kleinen oh weh.

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  4. Meine Güte, was für ein Abenteuer!!! Und dann noch mit den Kindern, wow.
    Ganz sicher auch eine bleibende Erinnerung, die Ihr niemals vergessen und noch Euren Enkeln erzählen werdet… (-;

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